Dragon Age

Git ihr ein Leben

"Gib ihr ein Leben"

von Sinmara Mayfair (Lani)

Das Feuer im Kamin gab dem Raum eine behagliche Atmosphäre, die nichts von dem widerspiegelte, was in ihr tobte.

Nur eine Laterne hatte sie auf dem kleinen Tisch neben dem Bett abgestellt. Dort hatte sie bis vor einer Stunde noch Satz um Satz geschrieben, hastig und doch sorgfältig. Sie hatte nicht viel Zeit, aber es musste getan werden.
Es musste getan werden. Dieser Satz war die Überschrift für alles was seit dem letzten Abend geschah. Unaufhaltsam.
Es musste getan werden.
Sinmara starrte in das Feuer. Die Flammen tanzten.

Es gab eine Zeit, da war ihr Herz erfüllt von Geschichten und Liedern gewesen. Sie hatten vor dem Feuer gesessen, in jener Taverne, mitten in der Nacht. Nach dem langen Marsch durch den Wald hatten sie sich hier mehr Bequemlichkeit gegönnt als in ihrem Lager. Ein Bad, ein warmes Zimmer. Der Kamin mit dem Bärenfell davor.
Und sie hatten sich geliebt, im Schein des Feuers, sich Zeit genommen als würde diese Nacht niemals enden. Leliana hatte ihren Kopf an sie gelehnt und mit der Hand sanft ihren Rücken gestreichelt.
"Als wäre das Feuer lebendig.", hatte die Bardin gesagt.
"Es tanzt für uns, nur für uns.", hatte Sinmara geantwortet und sie geküßt bis Leliana sie wieder auf den Boden zog...

Jetzt gab es keine Lieder mehr. Nur das was getan werden musste.
Sinmara holte tief Luft, als es klopfte. Sie drehte sich nicht um, denn sie wußte, was nun geschehen würde.

"Herein."
"Hier bin ich Herrin.", klang die Stimme der elfischen Zofe von der Tür her.
"Schließ die Tür. Auf dem Tischchen da ist das Gold wie versprochen.Zieh dich aus."
"Ja Herrin."
Noch immer drehte sie sich nicht um, sondern starrte in das Feuer.
Lange konnte es nicht mehr dauern.
Es musste getan werden.

Wenige Minuten später ging die Tür ohne ein Klopfen. Sie schloß kurz die Augen, dann drehte sie sich um.
Leliana stand in der Tür. Ihr Lächeln mit dem sie den Raum betreten hatte war erfroren und sie starrte die Zofe an, die versuchte, ihre Nacktheit mit dem Laken des Bettes zu verbergen.
"Was...", diese Augen, ihre Augen, die sie so sehr liebte, funkelten sie mit kaum gezähmter Wut an.
"Ich habe noch nicht mit dir gerechnet."
"Das sehe ich."
"Nun du weißt morgen werden wir kämpfen und ich brauchte noch etwas Gesellschaft."

Innerlich zog sich ihr Herz zusammen. Niemals, niemals hätte sie...
Alles in ihr verlangte nach ihrer Nähe. In dieser Nacht, in dieser letzten Nacht.
Es musste getan werden.
Die Bardin sah sie an und ihre Wut war zu fassungsloser Trauer geworden.
"Es wäre auch besser, du begleitest uns morgen nicht nach Denerim. Das ist nun Aufgabe der Wächter."
Leliana antwortete nicht. Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging. Sie schloß die Tür, sie warf sie nicht, sie schloß sie leise.
"Zieh dich an. Raus hier!", fauchte Sinmara die Zofe an, was sie zwar bereute, da das arme Mädchen nichts für ihre Lage konnte, aber nun konnte sie ihre Gefühle nicht mehr zurückhalten. Sie drehte sich wieder zum Feuer und Tränen strömten über ihr Gesicht.

Die Bardin würde nun in ihr gemeinsames Zimmer gehen, sie würde wutentbrannt nach ihren Habseligkeiten greifen.
Sinmara hatte einige Papiere so auf ihrem Tisch hinterlassen, dass sie sie finden musste. Den Verrat. Den Brief nach Orlais, wo jene flüchtige Spionin zu finden wäre. So platziert, dass er wie zufällig aus der Tasche fallen musste. Jener gefälschte Brief, den sie gleich ins Feuer werfen würde.
Es musste getan werden.

Leliana musste sie verlassen. Noch heute Nacht.

Diesen verzweifelten Weg hatte sie gewählt nachdem vor Stunden Morrigan am Kamin auf sie gewartet hatte.
"Ich habe einen Plan, einen Ausweg für alle Grauen Wächter...", hatte die Hexe begonnen. Und Sinmara hatte sie zurückgewiesen. Sie hatte nicht Jagd auf einen Erzdämon gemacht um dessen dunkle Macht in einer ungewissen Zukunft in einem Kind wiedergeboren zu wissen. Einem Kind, das sie in der kurzen Zeit ihres Wächterlebens vielleicht nicht mehr selbst würde aufhalten können, sollte es über die Welt herfallen. Den Erzdämon zu vernichten, restlos, ihn auszutilgen - das war ihre Aufgabe.
Morrigan hatte sie nicht verstanden, dabei hatte sie doch für diese widerborstige Frau mit der Zeit echte Freundschaft empfunden. Und was immer die großen Ziele waren, die sie verfolgt hatte, so wußte Sinmara doch, dass sie sie gern gerettet hätte.
"Ich verlasse dich jetzt.", hatte die Hexe im Gehen zu ihr gesagt."Und ich hinterlasse dir als letztes Geschenk eine Prophezeiung, die mir schon Flemeth mit auf den Weg gab: Du wirst dem Erzdämon gegenüberstehen. Du allein wirst den letzten Schlag führen. Du wirst sterben."
"Das ist mein Schicksal und meine Pflicht als Grauer Wächter."
"Und sie, die dich liebt, wird bald nach dir sterben, vor Kummer über deinen Tod. Du hast soeben nicht nur dein heldenhaftes Ende beschlossen, du Närrin. Wenn du sie liebst, denke nach. Gib ihr ein Leben."
Und mit diesen Worten war sie entschwunden.

Dann waren Stunden gekommen voll verzweifelten Nachdenkens darüber was sie tun sollte. Und dieser Plan, der ihr das Herz herausriß.
Aber es war eine Chance für Leliana. Sollte sie sie hassen. Sinmara liebte sie, mehr als alles was es jemals in ihrem Leben gegeben hatte.
Bald würde ihr Leben enden. Dunkelheit und Vergessen war ihr Weg. Sicher würde die Bardin auch Bedauern empfinden, wenn sie davon erfuhr. Nur würde sie ihren Tod nicht mit ansehen müssen und der Zorn, den sie in ihr geweckt hatte würde hoffentlich reichen, um die Erinnerungen an ihre gemeinsame Zeit zu trüben. Sie sollte leben.

In jener Nacht stand sie am Feuer bis es erloschen war. Dann wandte sie sich um und begann, Stück um Stück die Rüstung anzulegen. Die Sonne ging auf und sie brachen auf nach Denerim.

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